Gibt es doch Wunder?

 

Neue Fotos von Rotika ❤ 13.11.17:

 

 

Update zu Rotika 09.11.17:

Ildikó erzählte, dass Rotika sehr lieb war nach dem Aufwachen, obwohl er Schmerzen hatte. Sie nahm ihn zum Tierarzt mit und er gab ihr Tabletten für ihn. Ildikó pflegt seine Wunden und beobachtet, ob alles in Ordnung ist. Er benimmt sich sehr brav mit anderen Hunden, sie mussten ihn durch den Hof führen und es gab überhaupt kein Problem. Er ist sehr zahm. Er frisst schön aus der Hand von Ildikó und freut sich über sein Plätzchen in der Werkstatt. Er schläft sehr viel und Ildikó sitzt so viel, wie es nur möglich ist, bei ihm. Er bekommt Vetri dmg für sein Immunsystem, also bekommt er alles, was nur möglich ist. Manchmal wartet er schon wedelnd, auf seiner Matratze stehend, auf Ildikó

Ich möchte mich bei allen lieben Menschen bedanken, die Anteil an der Geschichte von Rotika genommen haben! Und herzlichen Dank für die Spenden. Ich habe Ildikó alle guten Meldungen und eure lieben Kommentare weitergeleitet (über Gizella, die netterweise immer alles übersetzt) und es hat Ildikó riesig gefreut!
Herzlichst, Martina

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Gibt es doch Wunder?

 

Ildikó schrieb:
In der vorletzten Nacht hat der Herr Gott wieder ein Wunder getan… Hört bitte zu.
Der Mensch denkt, der Gott lenkt. Wir haben den gestrigen Tag mit Dávid so geplant, dass wir es versuchen, in Kiskapud zeitig alles zu beenden, das heisst vor Mitternacht, weil wir wegen unserer starken Erkältung in der Nacht kaum geschlafen haben. Als wir um 23 Uhr mit der Fütterung fertig waren, haben wir vor unserer Tür in Kiskapud kleine Lichter angezündet und haben an unsere lieben Zwei- und Vierbeiner gedacht und von ihnen gesprochen. Dann sind wir zu unserem Miethaus mit Futter und Wasser gelaufen, um auch dort unsere Schützlinge zu füttern. Wir wollten wie gesagt sehr schnell alles erledigen. Dann habe ich mich zu Norina und den Welpen hingesetzt und konnte mich einfach von ihnen nicht verabschieden. Es war schon wieder halb eins in der Nacht, als wir uns auf den Weg gemacht haben.

Für uns dauert der Heimweg eine gute halbe Stunde (für andere nur 15 Minuten), weil wir überall Strassenhunde, die nicht gefangen werden können, unsichtbare Hunde, einen vernachlässigten Wachhund, etc.
Im Auto sind am Bein von Dávid die Päckchen jede Nacht. Schön eingeteilt, damit sie alle etwas bekommen. Manchmal kommt ein Hund nicht, dann hinterlassen wir für ihn das Futter. Im allgemeinen aber warten sie auf uns, weil wir ein sicherer Punkt in ihrem Leben seit Jahren sind. Ihre Freunde, auf die sie zählen können. Ich weiss, viele von diesen Tieren können nur dadurch überleben, es ist das Pfand für sie am Leben zu bleiben. Streicheln können wir keinen von ihnen, sie sind viel zu wild dazu und oft sind sie genau wegen den Menschen so wild. Manchmal beweine ich manche schon, weil ich sie lange nicht sehe, dann erscheinen sie wieder…es ist für mich dann eine riesige Freude.

Wir sind also etwas verspätet angekommen. Dávid steigt aus und legt das Futter aus, wir fahren weiter, dann kommt das letzte Futter. Ich weiss es genau, dass diesmal die Vorsehung es so gerichtet hat, dass unsere Freunde später gekommen sind. Ich stieg aus und erblicke einen riesigen Schatten nicht weit von mir. Auch Dávid schaute hin und sagte (ich sehe im Dunkel fern auch mit Brille nicht gut), es ist ein grosser Rottweiler. Er kam aber nicht näher, er hatte vor Dávid Angst. Wir sind mit dem Futter langsam zu ihm gefahren. Ich stieg neben ihm aus. Dieser Hund war schon sehr verquält, er torkelte im Dunkeln mit schweren Schritten, so, als hätte er alles aufgegeben. Ich rief nach ihm. Er drehte sich um und wir schauten einander für einen Moment in die Augen… Es war schon vor einigen Wochen ein grosser Rottweiler da, mit dem wir genauso einander in die Augen schauten, dieser Rottweiler blieb aber damals nicht stehen, er flüchtete in den Wald hinein und wir haben ihn nicht mehr gefunden. Diesen Rottweiler fuhren Männer auf dem Plateau eines LKWs gebunden nach Kiskapud, als Dávid allein dort war (ich war beim Arzt mit mehreren Hunde), sie wollten ihn einfach abgeben. Er sagte, wir können den Hund leider nicht aufnehmen… so sah ich den riesigen Rottweiler in der Nähe von Kiskapud verzweifelt bummeln und ich habe die unendliche Einsamkeit in seinem Herz gefühlt.  Dann haben wir ihn nicht mehr gesehen.

Jetzt aber zurück zu ihm: ich wusste es sofort, dass es DIESER Rottweiler ist! Hier steht er jetzt, nicht weit von mir, ich reiche meine Hände, mich lähmt aber fast die wunderbare Erkennung, dass wir ihn vielleicht retten können, ich reiche Salami zu ihm und bitte ihn, nicht wieder wegzulaufen, er soll es mir lassen, ihn zu retten.. Und das Wunder geschah. Dieser riesengrosse, zusammengebrochene Rottweiler ist langsam zu mir gekommen und hat die Salami genommen. Ich hatte keine Angst, obwohl ich wusste, er könnte mit einem Biss mich verletzen. Ich sah, dass er noch mehr zerbrochen ist, als am Tag, als er ausgesetzt wurde. Ich sah in seinen tränenden Augen den Glauben fast erloschen, dass es noch einmal besser wird… Ich sah seine schwere Bewegung, den riesigen, abgemagerten Körper und in seinem Herz die unermessliche Einsamkeit. Schon wieder.
Ich sprach mit ihm: du tust mir nichts an, nicht wahr? In seinen Augen sah ich das gleiche. Du tust mir nichts an, nicht wahr? Ich bat Dávid, er soll mehr Salami bringen. Als er aber sich näherte, haben sich die Augen von ihm verändert, so haben wir es festgestellt, vor Männer hat er Angst. Ich habe es jetzt ausgesagt, wir können ihn nicht mehr hierlassen. Nachdem wir einander in die Augen geschaut haben.
Wo werden wir für ihn aber Platz finden, fragte der arme Dávid. Ich weiss es noch nicht, ich weiss es nur, dass wir ihn diesmal nicht hier lassen dürfen. Dávid hat eine Leine hingeschoben und  ich versuchte die Schlaufe auf ihn zu legen. Jetzt kam das nächste Wunder: er hat seinen grossen Kopf in die Schlaufe und danach in meinen Schoss gelegt.

Ich habe ihn gestreichelt, sprach zu ihm und wir sind zum Auto gelaufen. Er wollte aber nicht einsteigen. Er brummelte nicht, er versteifte sich nur, er stieg nicht ein. Da er ca. 50 kg schwer ist, konnte ich ihn einfach nicht aufheben. Ich hatte zum Glück Sedalin Paste (zum Betäuben) bei mir, er wollte das aber nicht fressen, so musste ich seinen Mund öffnen und die Paste einreiben. Er hat es gelassen. Vielleicht hat er das gleiche gefühlt, wie ich. Was ich gefühlt habe? Ich kann das nicht sagen. Es ist ein göttliches Wunder, ein bestelltes Treffen, ein gegenseitiges Vertrauen, eine unglaubliche Wende – so könnte ich es ungefähr beschreiben. Danach könnten wir ihn mit Dávid in das Auto hereindrängen.
Als plötzlich Polizisten neben dem Auto anhielten, schlief er schon tief. Sie wollten keine Dokumente anschauen, sie wollten nur wissen, was wir da auf dem Weg bei dem Auto mit geöffneter Tür machen. Oh, ich erzählte ihnen dann beschwingt. Von einem riesengrossen Rottweiler, der doch gefunden worden ist, das hier ein Wunder geschah, dass wir ihn sedieren mussten, er schläft aber schon im Auto und dass wir jetzt schon mit ihm nach Hause fahren… Die Polizisten waren sehr verständnisvoll und haben sich mit uns gefreut. Sie fragten noch sehr freundlich nach Kiskapud (der Auffangstation), von unserer Lage und haben uns viel Glück gewünscht.

Unterwegs haben wir nachgedacht, wo wir für Rotika (so heisst er schon) einen Platz machen können. Es gibt keine andere Möglichkeit sagte ich Dávid, wir kommen zu Hause an, füttern die Tiere, trinken einen starken Kaffee, wir geben den Schlaf auf und packen die ehemalige Werkstatt aus und machen dort für Rotika einen guten Platz. Die Werkstatt? fragte Dávid verblüfft. Die ist doch überfüllt… Ich weiss es, wir trinken aber den Redbull, waschen unsere Gesichter mit kaltem Wasser und schaffen es! Wenn der Herr Gott so ein grosses Wunder machte, dann ist es das wenigste, dass wir die Lösung finden auch dann, wenn es schon keine Lösung gibt. Da ein riesiger Rottweiler im Auto vor dem Haus schläft, seinen Kopf süss auf die Pfoten legend und wenn er aufwacht, soll er schon das Gefühl haben, dass er endlich Schutz gefunden hat.

Nach 4 Uhr morgens waren wir fertig. Wir haben Teppich und Decken reingelegt, Futter und Wasser eingestellt und haben Rotika in einer Decke in die Werkstatt geschleppt. Wenn er aufwacht, bin ich bei ihm, dass er es weiss, er ist jetzt schon in Sicherheit. Vielleicht will er nicht eingesperrt werden (die Werkstatt hat auch Fenster), vielleicht verschwindet seine Zahmheit, ich habe irgendwie doch keine Angst. Wenn ich ihn anschaue, sehe ich nicht den riesengrossen Rottweiler, sondern viel mehr. Ich sehe eine Seele, die ich jedes Mal gesehen habe, als unsere Blicke sich in einander klammerten. Er litt schon sehr viel, ich bin sicher. Er ist ein alter Hund. Seine unteren Zähne hat man vielleicht mit der Schaufel ausgeschlagen, die Verletzung ist ganz frisch. In seinen Augen hat er Entzündung, er hat Schmerzen am Hals, auch Wunden fühle ich am Rücken überall.

Er hat keinen Chip. Er hat auch kein Halsband an, obwohl er es am ersten Tag noch hatte.

Diese Geschichte darf kein schlechtes Ende haben.
Bitte glaube mir, Wunder gibt es doch. Ich würde mein kompliziertes Leben, voll mit Hunden und Hundegeruch, Umwege in der Nacht, mein an Wunder vertrautes Leben nie mit jemandem tauschen.

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